Willkommen beim YOU&JJ Blog

Datenschutz und das freie Internet – wer hat hier eigentlich Angst?

“einmal Inne halten bitte" Was bedeuten Datenschutz und das freie Internet für Dich? zu wissen, was überhaupt relevante Daten sind? unabhängige Inhalte von vielen Urhebern lesen können? das Versprechen von Firmen, dass Deine Daten nicht an Dritte weiter gegeben...

Geschäftskonto eröffnen – der Vergleich für Dein digitales Business

“Wie finde ich ein Geschäftskonto, das zu meinem digitalen Geschäftsmodell passt?" Der Beitrag ist für dich, wenn du Ein Geschäftskonto bei einer Bank generell eröffnen möchtest oder musst, weil du selbstständig bist oder es planst Ein Geschäftskonto bei einer Bank...

6 Monate Selbstständigkeit – wie mein Business mich zu mir führt

6 Monate Selbstständigkeit - wie mein Businessaufbau mich zu mir selbst führt Flashback: es ist der 27. Februar 2018, ein Dienstag. Ich mache abends das vorletzte Kreuz durch den Tag auf dem selbstgemalten Kalender an unserer Tür zur Küche im Wohnzimmer. Seit Anfang...

Gläserne Decke und Frauenquote

“Gläserne Decken? Sei 100% natürlich DU und Dein Licht leuchtet Dir den Weg.” Das steht auf der Rückseite eines Teils meiner Visitenkarten. Wie? Gläserne Decke? Was meinst du denn damit? Diese Frage habe ich von vielen Freunden, männlich und weiblich erhalten. Diese...
6 Monate Selbstständigkeit – wie mein Business mich zu mir führt

6 Monate Selbstständigkeit – wie mein Business mich zu mir führt

6 Monate Selbstständigkeit – wie mein Businessaufbau mich zu mir selbst führt

Flashback: es ist der 27. Februar 2018, ein Dienstag. Ich mache abends das vorletzte Kreuz durch den Tag auf dem selbstgemalten Kalender an unserer Tür zur Küche im Wohnzimmer. Seit Anfang Januar habe ich jeden Abend einen Tag durchgestrichen, die Tage runtergezählt und es kaum glauben können. Ich habe wirklich meinen guten und sicheren Büro-Job als Senior Key Account Manager gekündigt und heute war mein vorletzter Tag. Heute war meine offizielle Verabschiedung vom deutschen Team. Mein Chef hat eine so tolle Präsentation mit einer ins Herz gehenden Rede vorgetragen, unser Standortleiter und der internationale Geschäftsleiter, der extra ins Büro gekommen ist, haben unfassbar wertschätzende Worte für mich gefunden und alle Kollegen haben die große A4 Karte bis auf den letzten Millimeter mit wunderbaren Abschiedsworten gefüllt. Die schönsten Abschiedsgeschenke, die ich mir vorstellen konnte. Und dennoch wusste ich, dass die Entscheidung zu gehen um etwas eigenes aufzubauen die einzig richtige war. Die Zeit war gekommen, ich hatte eine Idee im Kopf und einen Business Plan in Excel. Die ersten zwei März Wochen haben Daniel und ich Urlaub gemacht. Um einen klaren cut zu haben zwischen den beiden Welten für mich und um gemeinsam zu realisieren, was gerade beginnt. Und um Kiten zu lernen 🙂 Dann bin ich gestartet. Mit Vollgas.

Heute, am 14. Oktober 2018 bin ich 6 Monate selbstständig.

Während ich gerade versuche, zu sortieren, eine Struktur zu finden, wird mir wieder bewusst, wie viele Dinge ich erreicht und gemacht habe in diesen 6 Monaten. Und gleichzeitig, wie viel es noch zu tun gibt und wie viel Grandioses noch passieren wird. Über die letzten 6 Monate habe ich gefühlte 1.000 Veranstaltungen in der Region und in Deutschland besucht, an unzähligen Zoom Calls und Telefonaten teilgenommen. MeetUps der StartUp Szene, Austausch mit Designern, Schneidern und Herstellern aus dem Mode-Bereich, Stoff&Mode-Messen, Stammtische, lokale Business Netzwerke, internationale Frauennetzwerke, Coachings und Seminare. Ich wollte lernen. Lernen wie die Mode Branche funktioniert, welche Angebote es im StartUp Bereich in Düsseldorf gibt, wie andere StartUps mit bestimmten Themen umgegangen sind, wo ich die richtigen Ansprechpartner für bestimmte Fragestellungen finden kann, wie ich ein Textil-Produkt auf den Markt bringe, wie ich Speakerin werde, wo es andere erfolgreiche Frauen gibt und wie diese dorthin gekommen sind. Und – wie ich selber funktioniere, wer ich wirklich bin. Zu allen Themen habe ich Antworten gefunden. Im Besonderen aber dazu, wie ich die Person werden kann, die es benötigt, damit ich mein Unternehmen erfolgreich wachsen lassen kann um später anderen Menschen darin einen Platz geben zu können um ebenfalls zu wachsen. Was meine große Vision und meine Lebensaufgabe ist und wie ich diese umsetzen kann.   Das wusste ich am 27. Februar noch nicht. Und mein damaliges Ich wusste auch noch nicht, durch was für eine Transformation ich gehen würde in den kommenden Monaten. Ich hatte nur meine super klare Vision zu den Business Blusen und die ebenfalls klare Vision in 2-3 Jahren Speakerin zu sein, basierend auf meiner Ausbildung zur energetischen Geistheilerin, die zu dem Zeitpunkt erst zu ca.70% geschafft war. Allen Dinge, die ich umgesetzt habe, habe ich mich mit einer guten Mischung aus Struktur, Naivität und positiver Einstellung genähert. Mit dieser Vorgehensweise bin ich grundsätzlich gut gefahren. Bin ich mal auf die Nase gefallen? Ja. Haben immer alle Dinge beim ersten Versuch funktioniert? Nein. Keine Überraschung. Zum Beispiel als mein erster Antrag auf Gründungszuschuss abgelehnt wurde – habe ich eine neue Argumentation gefunden um Revision gegen den ersten Bescheid einzulegen – und es hat funktioniert. Oder als ich dachte, mein altes Handy schafft es noch bis Ende des Jahres – und es dann fast komplett zusammengebrochen ist im Juli und ich schnell Ersatz beschaffen musste. Oder als ich aus Eile eine 3-stellige Rechnung bezahlt habe, die sich als Fake herausstellte und das Geld nicht wiederzubekommen war. Oder als ich dachte, yes, du hast alle alten Themen aus deiner Vergangenheit abgearbeitet und rumms standen wieder ein paar vor mir. Und das ist auch gut so. Das Leben folgt einem Rhythmus; und der geht geht mal hoch und mal runter. Wichtig ist, zu erkennen, was die Runter-Phasen uns lehren möchten und wie wir uns selber wieder in die Hoch-Phasen bringen können. Glücklicherweise kann ich sagen, dass ich die richtigen Runter-Tage im letzten halben Jahr an meinen Fingern abzählen kann. Aber jedes der oben genannten Dinge, die nicht funktioniert haben, hatte eine Botschaft für mich: Ablehnung Gründungszuschuss: sei aufmerksamer und präsenter im Gespräch mit deinem Gegenüber – ich hätte eher realisieren können, welcher Argumentationsstrang bei meinem Ansprechpartner der richtige ist, hätte ich besser zugehört Handy: es war schon Wochen vor dem Handy-Exodus abzusehen, dass der Dezember nicht mehr erreicht wird; ich habe mir selber den Invest in ein neues Gerät nicht zugestanden. Obwohl das Handy einen Hauptteil meines Arbeitsequipments ausmacht. Fake-Rechnung: Lehrgeld – in den Wochen als das passierte, habe ich mir zu viele Dinge auf einmal in die Tage gelegt und hatte nicht mehr genug Fokus auf jedes einzelne Thema, daher ist diese Rechnung so “durchgerutscht” Vergangenheits-Themen: zu akzeptieren, dass ich nie auslerne und nicht “fertig” bin – in jedem von uns ist so viel verankert und ich lerne über das kontinuierliche Arbeiten an meiner Persönlichkeit, mehr und mehr dieses Wissens zu erreichen und zu nutzen.  

Was genau hat sich für mich am meisten geändert?

2 Dinge im Besonderen sind es. Ich habe gelernt, meine eigene Arbeitsweise und meine eigenen Prozesse für mich zu finden. Begonnen habe ich auf die Art und Weise, die ich seit 10 Jahren aus der Konzernwelt kannte und beherrschte: Plan und Ziele aufstellen, strukturiert und analytisch der Reihe nach die Dinge umsetzen. Das ist nicht schlecht. Und einen Plan und Ziele habe ich immer noch. Allerdings habe ich auf dem Weg gelernt, mir mehr Zeit für bestimmte Dinge einzuplanen – z.B. für alle Kreativ-Arbeit wie diesen Blog-Beitrag zu schreiben oder Konzepte zu erarbeiten. Oder mir aktiv regelmäßig Zeit für mich einzuplanen über Sport oder Meditation – dann fließt meine Kreativität deutlich besser und ich habe immer genug Energie. Zum Anderen habe ich gelernt, mich in den Mittelpunkt meines Lebens zu stellen und alle Dinge, die es zu tun gibt und die ich erreichen will darum herum zu bauen. Das ist kein Akt des Egoismus, sondern der Selbstliebe. Wenn ich gut für mich selber sorge und mich selber schätze, bin ich die Person, die ich sein muss und möchte um meine Ziele zu erreichen. Die wiederum dazu führen, dass ich das Leben führen kann, dass ich führen möchte. Mit genug Zeit für mich und für die lieben Menschen in meiner Nähe. In Freiheit. Das bedeutet auch, einige Dinge nicht mehr zu tun, die ich früher gemacht habe. Ich gehe z.B. mittlerweile recht rigoros mit Verabredungen oder Vereinbarungen mit anderen um – ich sage nur zu etwas zu oder gehe auf die Party, die Veranstaltung, wenn ich wirklich möchte und mir die Zeit dafür einplanen möchte und kann. Das hat nichts mit der anderen Person zu tun, ich mag die Menschen, die ich kenne und die meisten, die ich auf Veranstaltungen neu kennenlerne. Aber in dem Moment der Frage “Sollen wir nicht mal zusammen…? Lass uns doch morgen mal telefonieren….? Heute Abend Altstadt…?” kann es sein, dass ich für mich eine andere Priorität gesetzt habe für morgen, den Abend oder um welchen Zeitpunkt es auch geht. Damit ich für mich im Gleichgewicht und bei mir bleibe. Ein anderes Beispiel sind meine Sport-Tage. Montag, Mittwoch und Freitag Morgen mache ich Sport. Diese Zeiten sind für mich heilig, dorthin lege ich keine Termine. Oder mein Start in den Tag: die ersten 45 Min jeden Tag bleibt das Handy im Flugmodus und ich beginne für mich den Tag, ordne mich. Warum ist dies der wichtigste Punkt für mich? In der Vergangenheit waren es immer die Dinge, die für mich waren, die ich als erstes gecancelt habe, wenn der workload stieg – z.B. extra Themen im Büro = Adé Sport oder Party Abend, weil ich ja eingeladen wurde = Ciao dringend benötigter Schlaf. Ich habe in den letzten Monaten verstanden, dass ich selber am Entscheidungshebel für mein Leben sitze. Und wenn ich etwas anderes erreichen möchte, als ich bisher erreicht habe, muss ich auch andere Dinge tun und lernen als bisher.

Jetzt mal Butter bei die Fische – was habe ich denn nun geschafft oder erreicht?

Die Frage habe ich mir letzte Woche auch gestellt und mir die Themen in vier Quadranten geteilt: Business/Finanzen, Mich/meine Persönlichkeit, Gesundheit/Fitness und Beziehungen zu anderen Menschen. Mit dieser Übung habe ich mir bewusst Zeit genommen, einmal Inne zu halten. Denn es sind so viele Dinge in einer unglaublichen Geschwindigkeit passiert in diesen 6 Monaten, dass ich es selber kaum realisiere. Ich teile ein paar Auszüge, ein paar Highlights mit euch:

  • ich bin offizielle Geschäftsführerin einer GmbH
  • meine Lebensaufgabe und Vision sind mir klar geworden
  • website, Facebook Seite u Gruppe, Instagram und Newsletter selber erstellt und gestartet
  • Teil des Projektes “Female Business Heroes”
  • das erste Mal in einem Podcast interviewt worden
  • in Teams bei Seminaren bekannter Speaker mitarbeiten und lernen dürfen
  • Ausbildung energetische Geistheilerin abgeschlossen
  • Fitting Event im Rahmen der Blusen Entwicklung veranstaltet
  • einen tollen Schnittmacher für meine Blusen gefunden und unendlich viel über Textilwirtschaft gelernt
  • entdeckt, dass ich bei leiser Piano-Musik am konzentriertesten Arbeiten kann
  • mehr Nähe zu meinem Vater geschaffen
  • Sport in mein Leben integriert ohne zu denken “ich muss Sport machen”
  • alte Glaubenssätze aufgelöst
  • neue Netzwerke in den Bereichen Mode, Coaching/Speaking und StartUp Szene für mich aufgebaut
  • eine Seelenmentorin gefunden
  • regelmäßig und mehr Zeit mit Daniel (z.B. 1 Mal jede Woche Love-Lunch)
  • das erste Mal vor 70 Leuten für 3 Minuten auf der Bühne gesprochen
  • innere Ruhe und viel Energie für mich gefunden
  • ein 1:1 Life Coaching Konzept erstellt, auf website eingebunden und erste zahlenden Klienten

Keinen dieser Tage seit März diesen Jahres möchte ich missen, denn ich kann sehen, wie weit ich schon gekommen bin und das ist für mich wunderschön. Und nun beginnt alles eigentlich erst richtig – 2018 ist das Jahr des Aufbaus, die Grundsteine sind fast fertig gelegt. Bei den Blusen geht es langsam in die heiße Phase: der Online Shop muss konzipiert und designt werden, ein Produktionspartner will festgelegt werden und die Schnittentwicklung abgeschlossen werden. Und das Marketing will gestartet werden. Erste Produkte unter der Marke YOU&JJ stehen in den Startlöchern, das Branding und CI wird nach und nach etwas angepasst werden, es wird mehr content auf den Social Media Kanälen geben und die ersten Konzept-Ideen zu meinen eigenen Seminaren sind zu Papier gebracht. Und ich habe auf einem Zettel schon verschiedene Notizen zu Seminaren und Coachings gemacht, die ich im kommenden Jahr besuchen möchte. Für mich – denn es gibt noch so viel zu lernen über mich, uns Menschen und über alles, was schon in uns ist. Ich fühle mich genau richtig, ich liebe es, alles so entscheiden zu können, wie ich es möchte und ich vertraue darauf, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Bisher hat dieses Vertrauen mir immer zur rechten Zeit, die richtigen Menschen in mein Leben gebracht. Dafür bin ich sehr dankbar.   Nachricht an mein Ich vom 27. Februar: Genieß den Tag in vollen Zügen und freu dich auf alles, was noch kommt. Es wird fantastisch.

Datenschutz und das freie Internet – wer hat hier eigentlich Angst?

Datenschutz und das freie Internet – wer hat hier eigentlich Angst?

“einmal Inne halten bitte”

Was bedeuten Datenschutz und das freie Internet für Dich?

  • zu wissen, was überhaupt relevante Daten sind?
  • unabhängige Inhalte von vielen Urhebern lesen können?
  • das Versprechen von Firmen, dass Deine Daten nicht an Dritte weiter gegeben werden?
  • eigene Beiträge schreiben und hochladen können?
  • die Nutzung deiner Daten über dein Online-Verhalten um Dir bestmöglich relevante Inhalte als Werbung auszugeben und keine Produkte, die Dich nerven?
  • mit einem Online Business dein Leben finanzieren zu können?
  • erklärt zu bekommen, was im Kleingedruckten bezüglich der Nutzung Deiner Daten steht, wenn du etwas unterschreibst egal ob digital oder auf Papier?
  • schnell Themen aus verschiedenen Blickwinkeln recherchieren und lernen können?
  • Dein Einverständnis explizit geben zu können, ob Du Werbung, Newsletter oder Ähnliches erhälst im digitalen oder physischen Postkasten?

Dieser Beitrag soll zum Nachdenken anregen, über was wir aktuell in unserer Gesellschaft eigentlich diskutieren, abstimmen und per Gesetz beschließen und was eigentlich passiert. Dazu eine Geschichte.

 

Ich habe post erhalten 

Ich habe mich im März 2018 selbstständig gemacht und dafür im Mai eine GmbH gegründet. Das heißt, die Firmendaten samt Adresse sind im Handelsregister eingetragen und öffentlich einsehbar.

Seit Juli erhalte ich regelmäßig Post. Über den althergebrachten Weg in den Briefkasten: Kataloge von Büromöbel Anbietern oder Anbietern von Feuerlöschern und Warnschildern. Oder Anbieter von Werbegeschenken übersenden mir ihre Angebote.

Ebenso sind gleich zwei Schreiben von ominösen Online Portalen eingetroffen, die Geld für die Eintragung meiner Firma in ihre Portale möchten. Bei vielen der Kataloge oder der Briefe steht schon im Briefkopf eine Zeile in kleiner Schriftgröße, die immer mit den Worten “Herkunft der Daten:” beginnt. Genannt werden Firmen wie Databyte oder EDV-Service Reuter. Ich kenne diese Unternehmen nicht. Auch mit den vielen Firmen, die mir gerne ihre Produkte oder Dienstleistungen verkaufen möchten, hatte ich zuvor noch nie zu tun. Wer auch selbstständig ist, kennt diese Themen.

Dieses Vorgehen war vor der DSGVO gesetzlich erlaubt: nach dem Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) §28 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 durfte Werbung postalisch versendet werden an Kontaktdaten, die aus allgemein zugänglichen Verzeichnissen, wie z.B. dem Handelsregister stammen. Im seit Ende Mai 2018 neu geltenden Datenschutzgrundgesetz gibt es keinen Artikel mehr, der sich explizit mit diesem Sachverhalt auseinandersetzt. Als einzige Referenz wird hierzu der Artikel 6 DSGVO herbeigenommen, in dem es um “die Verarbeitung (von Daten) zur Wahrung berechtigter Interessen des Verarbeiters oder auch eines Dritten” geht. Eine sehr graue Zone also. Nehmen wir also an, es sei immer noch rechtens. Dann gilt nach wie vor noch das Gesetzt gegen unlauteren Wettbewerb, UWG §7, welches den “kalten” Kontakt zu werblichen Zwecken per Email und per Telefon untersagt. Nicht aber auf dem Postweg.

 

DSGVO – umgesetzt

Ich habe nicht nur Post erhalten, ich habe auch welche versendet. Allerdings digital. Ich poste, mache stories, live-Videos, verlinke Freunde und Firmen und markiere Standorte. Hier auf der website, auf Facebook und Instagram und über meinen Newsletter. Natürlich im Rahmen meiner Firmentätigkeit, aber auch auf meinen privaten Profilen. Und natürlich alles nach den neuen Regeln der Datenschutzgrundverordnung.

Die Grundidee der neuen Verordnung kann ich nachvollziehen: für Verbraucher transparenter machen, an welcher Stelle sie Daten “hergeben” und wofür diese verwendet werden dürfen. Das gilt im Übrigen nicht nur für Verbraucher, sondern auch unter Firmen.

Die neue Verordnung geht allerdings an einigen Stellen so absurde Wege, dass ich das Verlinken meines Ehemannes in meiner Instagram Story mit “Werbung” kennzeichnen muss. Ich könnte ja ein gewerbliches Interesse daran haben, ihn zu verlinken. Macht Sinn, oder?

Oder ich tausche auf einer Netzwerkveranstaltung Visitenkarten mit jemandem. Ganz genau genommen müsste mir mein neuer Kontakt mit der Visitenkarte noch eine unterschriebene Erklärung mitgeben, dass ich ihn über die auf der Visitenkarte angegebene Email Adresse auch anschreiben darf. Und umgekehrt genauso. Ihr wisst schon, das Double-Opt-In Verfahren. Klar, so eine Erklärung habe ich nun auf jeder Veranstaltung dabei, sicherlich.

Meiner Ansicht nach, sind hier schon teilweise keine Verhältnismäßigkeiten mehr gegeben und es wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Denken wir an die Bloggerin und Instagramerin vanezia_blum, die eine Abmahnung erhielt (die per Gericht letztendlich zurückgewiesen wurde), weil auf einem ihrer Posts ein Markenprodukt zu sehen war, welches sie selber gekauft hatte, dies in dem Post auch nicht bewarb oder hervorhob, und dies nicht mit “Werbung” gekennzeichnet war.

 

Leistungsschutzrecht mit #uploadfilter

Und es geht munter weiter. Der am Mittwoch vom Europaparlament akzeptierte Vorschlag zu einer Richtlinie zum Urheberrecht in Form eines neuen sogenannten Leistungsschutzrechts legt den Grundstein für extreme Einschnitte für das freie Internet, wie wir es heute kennen.

Große Verlage und Journalisten haben dieses Thema vorangetrieben mit dem Ziel zu verhindern, dass z.B. Google News Überschriften und snippets, also kurze Textausschnitte von Artikeln der Herausgeber zeigt, ohne dafür zu bezahlen. Oder um zu filtern, dass Nutzern, die im Internet Inhalte hochladen, auch alle Rechte an diesen Inhalten besitzen. Dies ist nach Meinung von Plattformen, auf die Inhalte hochgeladen werden (z.B. YouTube, Instagram, Facebook, Wikipedia, Blogs mit Gastbeiträgen,…) nur über sogenannten Uploadfilter möglich. Wie gut diese Filter allerdings funktionieren können, sei dahingestellt. Das, wie ich finde, berechtigt diskutierte große Risiko ist eine radikale Zensur von Inhalten im Internet, die dann alle in einem der Uploadfilter “hängenbleiben” und erst gar die Weiten der Internet erreichen können.

Wenn ich überlege, wie viele Seiten im Internet ich selber verwende, wenn ich etwas recherchiere. Wie ich davon profitiere, dass heutzutage nicht nur 3-5 etablierte Medienkonzerne Informationen zur Verfügung stellen so wie vor einigen Jahrzehnten, sondern jeder Inhalte veröffentlichen kann. Stell Dir jetzt einmal vor, wie die Vielfalt aussieht in 2 Jahren, wenn gefühlte 70% aller Inhalte, die jemand posten möchte, auf einer der oben genannten Plattformen einfach nicht mehr da sind, weil irgendein Filter-Algorithmus sie für nicht urheberrechtskonform gehalten hat. Und wir lachen über China?

 

Ich möchte hier jetzt bewusst einen der Artikel verlinken, die ich persönlich ansprechend geschrieben fand zum Thema. Und nein, dies ist weder ein affiliate link, noch werde ich anderweitig vergütet für diese Verlinkung.

Upload-Filter und Leistungsschutzrecht: das EU-Parlament beerdigt das Internet, das wir kennen

von Johnny Haeusler

Fazit

Halte mal Inne

Was passiert gerade?

Altbekannte Wege wie Werbung per Post sind ok, ohne Double-Opt-In, denn Daten aus öffentlich zugänglichen Verzeichnissen wie dem Handelsregister, Adress- und Rufnummernverzeichnisse, Vereinsregister und Zeitschriften dürfen einfach so für werbliche Zwecke genutzt werden. War ja schon immer so. Über massig Werbung im Postkasten ärgert man sich halt – und schmeißt sie dann in die Tonne.

Neue Geschäftsmodelle, neue Arten zu Kommunizieren, die in der digitalen Welt stattfinden sind besonders unter die Lupe zu nehmen und mit vielen Extra-Auflagen zu versehen. Um eine wirtschaftliche Existenz dort zu erschweren oder es sicherer für die Nutzer zu machen? Emails könnten ja gefährlich sein und affiliate links erst. Und die Firmen, die “nur” online sind, weil es ohne nicht mehr geht, die aber eigentlich lieber wieder zu ihrem Brot-und-Butter-Geschäft aus den 80er Jahren zurückkehren würden, tun sich mit der Akzeptanz der Digitalisierung, mit Wettbewerb und neuen Strukturen besonders schwer. Nicht wahr, Herr Springer, liebe Volksparteien, liebes Europaparlament?

 

Photocredits: rawpixel on Unsplash

 

 

Geschäftskonto eröffnen – der Vergleich für Dein digitales Business

Geschäftskonto eröffnen – der Vergleich für Dein digitales Business

“Wie finde ich ein Geschäftskonto, das zu meinem digitalen Geschäftsmodell passt?”

Der Beitrag ist für dich, wenn du

  • Ein Geschäftskonto bei einer Bank generell eröffnen möchtest oder musst, weil du selbstständig bist oder es planst
  • Ein Geschäftskonto bei einer Bank eröffnen möchtest, weil du schon eine Weile selbstständig bist, es gut läuft und du alles jetzt ein wenig professioneller aufstellen willst
  • Wert auf digitalisierte Prozesse legst
  • einen OnlineShop betreibst oder dies planst und dieser automatisch mit deinem Bankkonto verknüpft sein soll
  • deine Buchhaltung maximal digital gestalten möchtest

Der Beitrag umfasst

  • Step by Step Prozess – wie kannst du vorgehen
  • Welche Kriterien für die Bank habe ich mir definiert
  • Vergleich von 9 Banken aus der Vogelperspektive und von 6 konkreten Kontotarifen mit Kalkulationsmodellen für 2 Jahre inkl. gratis Download
  • Erklärungen zu Fachbegriffen aus der Bankenwelt
  • Intro zu weiteren Themen/Begriffen aus dem Bereichen OnlineShops und Steuerberater 

Warum habe ich mich mit diesem Thema auseinander gesetzt und warum ist daraus ein Blog-Artikel entstanden?

Ich habe mich im März 2018 selbstständig gemacht und dafür eine GmbH gegründet. Für die Gründung der GmbH ist zwingend ein Geschäftskonto notwendig um das Stammkapital darauf einzuzahlen. Geschäftskonten sind im Gegensatz zu privaten Konten immer kostenpflichtig, daher machte es für mich auf jeden Fall Sinn mehrere Anbieter zu vergleichen.

Mein Geschäftsmodell sieht unter anderem den Verkauf von Damenmode primär über einen eigenen OnlineShop (nicht über Amazon oder eine andere digitale Verkaufsplattform) vor. Schon bei den ersten Bankvergleichen ist mir aufgefallen, dass ein Hauptkostentreiber die Gebühren pro Transaktion sind. Denke ich über einen gut laufenden OnlineShop nach können das leicht 100, 500 oder irgendwann mal 1.000 Bestellungen/Monat jeweils verbunden mit einer Zahlung = Transaktion sein. Das brachte mich dazu, über weitere Kriterien nachzudenken, die die Bank und Shop benötigen um gut zusammen zu funktionieren. Neben technischen Schnittstellen, akzeptierten Bezahlmethoden und Shopsystemen, ist mir schnell die weitere Verarbeitung der Bestellungen und Rechnungen in die Buchhaltung eingefallen. Mein Ziel ist es, so viele Prozesse wie möglich digital zu automatisieren. Somit war ich beim dritten Player, dem Steuerberater angekommen, der ebenfalls gewisse Kriterien und technische Voraussetzungen erfüllen muss, damit die Anbindung zur Bank und zum Shop reibungslos funktionieren und die Buchhaltung, die bei einer GmbH sowieso die ersten 2 Jahre monatlich gemacht werden muss,  korrekt abläuft.

Du merkst vielleicht wie die Komplexität ein wenig angestiegen ist 🙂 In den 4-5 Wochen, in denen ich zu den Themen Geschäftskonto, OnlineShop und Steuerberater recherchiert habe und viele Gespräche mit Banken, Steuerberatern und Softwareanbietern geführt habe, konnte ich super viel lernen und diese Themen zusammen hatte ich bei meiner Recherche online so noch nicht gefunden.

Also hier nun für Dich alles Wissen, das ich mir im Frühjahr diesen Jahres erarbeitet habe in diesem Blogbeitrag.

 Los geht’s

Step by Step – Prozess

1. Anforderungen an das Konto/die Bank definieren
Bevor du irgendwelche Angebote vergleichst, macht es Sinn einmal zu verstehen, was du wirklich benötigst und was dir wichtig ist. Zum Beispiel: Wirst du Geschäft in Deutschland haben oder auch im Ausland? Welche Zahlungsarten will ich anbieten? Habe ich noch andere Einnahmequellen, die ich verknüpfen muss (z.B. affiliate Partner)? Will ich einen Ansprechpartner vor Ort haben? Brauche ich ggf. auch eine Finanzierung? Brauche ich eine Kreditkarte und muss ich oft Bargeld abheben oder einzahlen?
2. Schnittstellen Check
Mit welchen Schnittstellen muss das Konto verknüpfbar sein? Bei mir sind es „nur“ der OnlineShop und der Steuerberater, aber vielleicht hast du noch weitere Felder.
3. Banken auswählen, die du vergleichen willst
Ist es dir wichtig, große bekannte Namen miteinzubeziehen oder suchst du vlt. bewusst nach neuen Konzepten? Du kannst auch die bekannten Vergleichsportale nutzen um dir Anregungen zu verschiedenen Banken zu holen oder du fragst auf Netzwerkveranstaltungen einmal andere Gründer oder etablierte Selbstständige, mit welcher Bank sie zusammenarbeiten und ob und warum sie zufrieden sind. Sind sie zufrieden, haben aber ganz andere Anforderungen als du, ist dir ggf. nicht geholfen.
4. Tarife der gewählten Banken vergleichen und in Tabelle eintragen
Klingt banal, aber mein Tipp ist hierbei: IMMER das Kleingedruckte lesen bzw. die AGB. Bei den Bankangeboten verhält es sich ähnlich wie bei Telefon- oder Internettarifen; oft stehen wichtige Details erst dort und nicht in der beworbenen Tarifübersicht. Hier findest du dann auch die Infos um deine Vergleichstabelle zu erstellen. Ich bevorzuge Excel oder ein ähnliches open source tool, die Hauptsache ist aber, dass du den Überblick behälst.
5. Termine mit deinen top 3-4 Banken vereinbaren
Sicher findest du Unterschiede beim Zusammentragen der Daten und einige Fragen kommen auf. Wähle deine top 3 oder 4 Banken aus und vereinbare einen Telefontermin oder Vor-Ort Termin mit dem jeweiligen Ansprechpartner. Das verschafft dir neben der Fragenklärung auch einen ersten Eindruck, wie dort mit Kunden umgegangen wird. Sicher wirst du auch mal den Kundendienst der Bank benötigen. Falls der erste Termin (bei dem du ein potentieller Neukunde bist) schon irgendwie seltsam ist, wie wird der Kontakt, wenn du erst mal Bestandskunde bist? Nach den Terminen alle neuen Infos in deine Übersicht ergänzen.
6. Beispielrechnung für Jahr 1-2

Nach den Gesprächen wirst du nochmal gefiltert haben, sodass die in Frage kommenden Optionen weniger werden. Such dir 4-5 verschiedene Tarife von den bleibenden Top Banken raus und rechne anhand deiner Annahmen an Transaktionen für mind. 12 Monate die Gesamtkosten aus für jeden Tarif (Vorlage dazu gibt es hier zum download). Startest du gerade erst und deine ersten 12 Monate sind nicht wirklich repräsentativ für ein normales Geschäftsjahr, empfehle ich dir, auch das 2. Jahr mit veränderten Annahmen zu simulieren. Dann siehst du auch direkt den Vergleich vs. Jahr 1.

7. Triff eine Entscheidung
Schlaf eine Nacht über die Ergebnisse und dein Bauchgefühl und triff deine Entscheidung.
Starte den Konto-Eröffnungsprozess bei der Bank deiner Wahl und freu dich über deine gute Entscheidung.
Woohooo, du hast einen dicken Punkt auf deiner Liste (fast) erledigt.

Welche Kriterien sind für mich wichtig gewesen?

Meine Anforderungen:
• Schnittstelle zum OnlineShop muss funktionieren inkl. verschiedener Zahlungsarten (Paypal, Kreditkarten, Überweisung, giropay, Barzahlen.de)
• Zahlungen aus dem EU-Ausland, die über den Shop kommen, müssen abgewickelt werden können in € und in weiteren Währungen (z.B. CHF)
• vollwertige Kreditkarte (keine Prepaid Kreditkarte)
• Lieferantenzahlungen an Partner außerhalb von DE >1.500€ möglich
• Sind Unterkonten möglich? (z.B. um Teile des GmbH Stammkapitals dort zu parken)
• DATEV Schnittstelle für Steuerberater
• Sicherheit/technische Standards: z.B. EBICS Technologie
• Kosten: Grundgebühren, Kosten/Transaktion, Kreditkarte, sonstige Leistungen
• Erreichbarkeit Kundenservice und Berater online oder telefonisch
Meine Kriterien:

  • Bei neueren Bankkonzepten: wer ist das Unternehmen?
  • Welche Produkte/Tarife im Bereich Geschäftskonto werden angeboten?
  • Welche Technologien kann die Bank (EBICS; HBCI/FINTS)
  • Über welche Schnittstellen (APIs) verfügt die Bank?
  • Grundgebühr/Monat
  • Kosten/Zahlung (belegfrei und beleghaft) in DE
  • Kosten Zahlungsverkehr mit dem SEPA und Nicht-SEPA Ausland
  • Kreditkarten Optionen
  • Kosten und Möglichkeiten Bargeld abzuheben oder einzuzahlen
  • Tages- und Transaktionslimits
  • Lastschriftverfahren möglich ja/nein
  • Kredite (Kontokorrent, kein „echter Kredit“)
  • Gebühren weitere Bankdienstleistungen (z.B. Nachforschen zum Verbleib einer Zahlung)
  • Weitere zubuchbare oder enthaltene Produkte (z.B. Software für OnlineShop, gibt es eine App oder Tools zur Verwaltung des Zahlungsverkehrs)

Fachbegriffe aus der bankenwelt Teil 1

~

EBICS

Electronic Banking Internet Communication Standard = multinationaler Bankstandard für das Internet Banking seit 2008, macht den Zahlungsverkehr für Firmenkunden & zwischen Banken im SEPA Raum und weltweit einfacher und sicherer

HBCI/FinTS

Home Banking Computer Interface – Verschlüsselungsverfahren über standardisierte Schnittstelle für Überweisungen als Alternative zu TAN-Verfahren -> über Lesegerät/TanGenerator zu Hause, seit 2002 verbesserte Variante in FinTS (Financial Transaction Services) umbenannt

SEPA

Single Euro Payments Area, (dts: Einheitlicher Euro-Zahlungsverkehrsraum) -> Nachfolger des klassischen  Überweisungsverfahrens seit 2014 geschäftlich, seit 2016 privat

SEPA-Raum

fast alle europäischen Länder egal ob Euro oder eigene Währung, nicht im SEPA-Raum: Bosnien&Herzegovina, Serbien, Montenegro, Kosovo, Albanien, Mazedonien, Türkei, Moldavien, Ukraine, Weißrussland

Bankenvergleich:  9 Banken im Direktvergleich

In kurz: ich habe ein Geschäftskonto für eine GmbH gesucht bei einer Bank, die über alle nötigen digitalen Schnittstellen zu einem OnlineShop und zum Steuerberater verfügt, internationalen Zahlungsverkehr abwickeln kann und die ein für ein StartUp machbares Preis-Leistungs-Verhältnis anbietet.

Im ersten Schritt angeschaut habe ich mir diese Banken:
Fidor Bank, Holvi, N26(*), GLS, Commerzbank, Kontist(*), HypoVereinsbank, Finavi, Sparkasse Düsseldorf

Im Folgenden der Schnell-Überblick meiner Recherche:

Einige der neuen Bank-Konzepte waren für mich nach kurzer Recherche schon aus dem Rennen, einfach weil aktuell (Stand Mai 2018) noch hier keine Geschäftskonten für GmbHs angeboten werden. Hierzu gehören N26(*) & Kontist(*); der Fokus liegt hier stark auf StartUps die auf anderen Rechtsformen (z.B. GbR, Einzelkaufmann oder die klassischen freiberuflichen Selbstständigen) basieren. Holvi richtet sich aktuell auch eher an die genannte Zielgruppe. Ein Geschäftskonto für GmbHs wird angeboten, war mir aber zu kompliziert, da schon für die Einrichtung des Kontos a) eine Registrierung der Firma in der EU notwendig ist und b) der Firmeninhaber als Grundvoraussetzung für das Geschäftskonto erst mal ein Privatkonto bei der Bank einrichten muss.
Die Fidor Bank bietet auch seit kurzer Zeit ein Geschäftskonto für GmbHs an, allerdings war für mich ausschlaggebend, dass bisher keine Zahlungen in Nicht-€-Länder (z.B. Schweiz oder UK) möglich sind, um hier nicht mehr super tief in die Tarifvergleiche einzusteigen.
Alle bisher genannten Bank-Anbieter, sowie auch Finavi sind noch relativ neu am Markt mit grob 2-10 Jahren und bieten gute Möglichkeiten, wenn ihr eine GbR oder freiberuflich seid oder gründen wollt und euch erstmal auf Deutschland fokussiert. Bei allen diesen neueren Konzepten gibt es viele verschiedene Add-Ons wie zum Beispiel die Option das Bezahl/Kassen-System SUM UP zu beziehen und mit einzubinden, falls ihr einen Laden oder Gastronomie habt (z.B. bei Fidor). Oder es werden Banking Apps angeboten (z.B. N26*) oder ein Teil der Buchhaltung kann schon eingebunden werden (z.B. bei Holvi oder Kontist*).
Bei den „klassischen“ Banken wie der Sparkasse, der Commerbank, der Hypovereinsbank oder der GLS Bank gibt es in der Regel 3 Tarif-Modelle, die hauptsächlich variieren über die Kosten/Transaktion und die monatlichen Grundgebühren. Spannend wird es, wenn es um die Verfügbarkeit von Verwaltungssoftware geht oder. Bei der Sparkasse zum Beispiel hätte ich sogar 2, ggf. 3 verschiedene Ansprechpartner aus unterschiedlichen Abteilungen gehabt (1 nur für das Konto, weitere dann für Schnittstellen und Software). Wer persönliche Erreichbarkeit vor Ort schätzt, dem bieten diese Banken natürlich den Vorteil des Filialnetzes und im optimalen Falle dann später eines festen Ansprechpartners.

Hier der Vergleich der 9 Banken (Bilder öffnen sich bei Klick)

Fachbegriffe aus der bankenwelt Teil 2

pre-paid kreditkarte

Kreditkarte, auf die ein Guthaben aufgeladen werden muss, mit welchem dann gezahlt werden kann. PLUS: Kontrolle über Finanzen, MINUS: oft geschäftlich nicht als Zahlungsmittel akzeptiert, da keine „echte“ Kreditkarte

API

application programming interface = Schnittstellen von der Bank zu weiteren Partnern/weiteren Tools (z.B. DATEV für Buchhaltung oder zum Warenwirtschaftssystem)

CSV Dateien

Datei-Format, welches manuell zum Steuerberater geht (z.B. für DATEV), wenn es keine direkte Schnittstelle vom Konto gibt und ein Datei Upload die Daten importiert. Dieses Datei-Format muss  bei der Bank downloadbar sein

Zahlungen beleghaft/ beleglos

Beleghaft: Überweisungen in der Filiale, die einen echten Papierbeleg erzeugen

Beleglos: alle Online-Transaktionen

Tarif-Rechner:

Vergleichsrechnung Geschäftsjahr 1 und 2

Aus den 9 Bankanbietern waren nach dem Vergleich oben die folgenden vier interessant für mich um eine Vergleichsrechnung aufzustellen für Jahr 1 und 2:

Bei den vier Banken habe ich nun je 2 Tarife der Sparkasse und der Commerzbank, sowie je 1 Tarif von der GLS Bank und von Finavi (hier gibt es auch nur 1 Tarif) vergleichen.

Warum 2 Jahre?

Jahr 1 ist bei mir (und vielleicht bei euch auch) noch kein volles Jahr mit 12 Monaten und vor allem noch kein Jahr mit voll laufendem Geschäft = realistischen Kosten, wenn es um die Transaktionen geht.

In den beiden Bildern hier seht ihr meine Annahmen zu meinem Geschäftsmodell für Jahr 1 (8 Monate) und Jahr 2 (12 Monate). Ohne in die Details zu gehen, sind in der untersten Summenspalte die doch deutlichen Preis-Unterschiede der Tarife zu erkennen und auch die Unterschiede eines voll operierenden Jahres 2 vs. dem Start-Jahr 1. Bilder öffnen sich in groß bei Klick.

Wenn ihr euch die Excel Tabelle zum Selber-Rechnen runterladet, seht ihr die Annahmen in der linken Spalte und Einzelkosten jeder Position im Kommentarfeld der einzelnen Zelle zum Nachvollziehen; diese Werte findet ihr auch in der Formel der jeweiligen Zelle wieder. Wenn ihr die Tabelle für euren eigenen Vergleich anpassen möchtet, denkt daran, die Werte in den Formeln anzupassen 🙂

meine entscheidung und finale Bewertung
Ich habe mich für ein Geschäftskonto bei Finavi entschieden aus folgenden Gründen:

1. Planungssicherheit der Kosten durch “Flatrate” bei den Transaktionen

2. Eine echte Kredit-(Debit)-Karte ist enthalten (keine Pre-Paid Karte)

3. Unkompliziertes Backend mit Dashboard/Finanzmanager & alle für mich relevanten Schnittstellen vorhanden

4. Live Chat und Email Support bei Fragen

5. Super Preis-Leistungs-Verhältnis

Seit 3 Monaten bin ich nun “Bestandskunde” bei Finavi und weiterhin zufrieden. Der Support ist gut und auch die Kontoeinrichtung als GmbH hat reibungslos geklappt; man ist mir hier sogar ein wenig außerhalb der Prozesse entgegen gekommen um alles zu beschleunigen. Sobald mein geplanter Online Shop live ist und alle Anbindungen auf Herz und Nieren geprüft sind, schreibe ich euch ein update für die volle Transparenz.

Grundsätzlich kann ich sagen, dass diese Option für mein Geschäftsmodell, welches international und digital ausgerichtet ist, super passt. Solltet ihr mit einem physischen Geschäft (Gastronomie oder eigener Laden) planen, lohnt ggf. der engere Austausch mit der Sparkasse (zumindest hier in Düsseldorf). Einige StartUps, mit denen ich gesprochen habe, sind sehr zufrieden, besonders, wenn ihr auch noch eine Finanzierung sucht.

Ebenso wenn ihr keine GmbH gegründet habt, haben mir persönlich die Konzepte und Angebote von Kontist und N26 gut gefallen. Legt ihr großen Wert auf Nachhaltigkeit, schaut etwas genauer auf die Angebote der GLS Bank. Aufgrund der nachhaltigen Ausrichtung war deren Tarif bei mir in die engere Wahl gekommen, allerdings war mir das System dahinter zu wenig flexibel für meine Bedürfnisse und die für die Zukunft geplante internationale Ausrichtung.

intro zu weiteren Themen

Digitale Buchhaltung

Wenn dir wichtig ist, möglichst alle Prozesse digital abzubilden und du nicht Rechnungen und Belege in einem Schuhkarton sammeln willst, ist die Software, die der Steuerberater verwendet relevant. Einmal um technisch zu gewährleisten, dass auch alle Schnittstellen reibungslos funktionieren und zum anderen, damit alles für dich einfach und nutzerfreundlich zu bedienen ist. Geht es dir wie mir, dann stehen Buchhaltung und Steuern nicht so weit oben auf der Fun-Things-Liste; wichtig ist es nichtsdestotrotz. Bei meinen Gesprächen mit Steuerberatern habe ich mich zu 2 Software Programmen informiert. Das waren spectrum und CANDIS. Ich habe mich am Ende für die Option mit CANDIS entschieden, da mir die Oberfläche besser gefallen hat, mehr Prozesse ohne manuelle Unterbrechung abgebildet werden können und das System über künstliche Intelligenz mitlernt. Es gibt sicher noch viele weitere Optionen. Wie ich damit zufrieden sein werde, wird sich in ein paar Monaten zeigen; die erste Einrichtung war schon mal easy.

Bezahlmethoden

Egal, ob ihr konkret einen OnlineShop plant oder einfach nur wisst, dass ihr mal irgendetwas kostenpflichtig auf eurer Website anbieten werdet, ihr dürft euch Gedanken darüber machen, welche Bezahlmethoden ihr euren Kunden anbieten möchtet. Besonders bei uns bargeld- und rechnungs-liebenden Deutschen kann eine für den Kunden fehlende Bezahlmethode zu einem Kaufabbruch beim Bezahlvorgang führen. Die gängigsten Bezahlmethoden sind neben der klassischen Rechnung, dem Lastschriftverfahren, Vorkasse und Kreditkarten, das international bekannte Paypal und dessen „deutsche Alternative“ PayDirekt. Ein neueres Verfahren, was in meiner Recherche noch nicht flächendeckend verbreitet war, ist Barzahlen.de. Hierbei bekommt der Kunde bei der Online-Transaktion einen Barcode, mit dem er im Supermarkt an der Kasse dann bar bezahlen kann.

Ich empfehle, einen guten Mix aus Bezahl-Verfahren zu wählen, bei denen ihr dem Geld nicht hinterherlaufen müsst (kann bei Kauf auf Rechnung passieren), der Kunde aber auch nicht verärgert ist, dass er erst mal bezahlt und dann auf die Ware wartet (das Extrem hierbei ist die Vorkasse). Eine guter Mix aus klassischen und neueren Methoden ist meiner Meinung nach die optimale Lösung.

Teile den Artikel gerne über die folgenden Icons:

Gläserne Decke und Frauenquote

Gläserne Decke und Frauenquote

“Gläserne Decken? Sei 100% natürlich DU und Dein Licht leuchtet Dir den Weg.”

Das steht auf der Rückseite eines Teils meiner Visitenkarten.
Wie? Gläserne Decke? Was meinst du denn damit? Diese Frage habe ich von vielen Freunden, männlich und weiblich erhalten. Diese arbeiten als Lehrer, als Freiberufler, als Erzieher, sind noch Studenten. Oder Männer in mittleren Führungspositionen oder normalen guten Positionen in Vertrieb, Controlling oder Einkauf, die die Frauenquote in Konzernen belächeln.
Ich lächle auch. Wie selektiv Wahrnehmung doch immer wieder ist.

Lesen Frauen grob zwischen 30 und 45 Jahren, die in mittelständischen Unternehmen oder Konzernen arbeiten und Führungspositionen anstreben, den Satz, sind die Reaktionen deutlich anders: wissend wird mit dem Kopf genickt, schnell sind Beispiel-Situationen gefunden und oft mischt sich auch zügig das Wort Frauenquote oder Männerdomäne in die Konversation oder Aussagen wie diese: Ist leider oft immer noch so, dass ich als Frau viel härter arbeiten muss und bessere Ergebnisse schneller abliefern muss als die männlichen Kollegen um mich für die frei werden Teamleiter-Stelle zu empfehlen. Je höher in der Hierarchie wir schauen, desto unmöglicher scheint es, sich als Frau gegen die Mitstreiter des anderen Geschlechtes durchsetzen zu können.

Dieses Phänomen hat den Namen “Gläserne Decke” bekommen. Eine gefühlte Grenze, an die Frau stößt, die aber niemand sieht, gläsern eben und somit nicht greifbar oder beweisbar. Besonders, wenn die obersten 2-3 Führungsebenen rein mit Männern besetzt sind. Auch ist von Situationen zu hören, in denen in den Führungsebenen 1 oder 2 Frauen ihren Platz zwischen den Herren der Schöpfung gefunden haben und somit der Weg ja für eine weitere Auflockerung geebnet sein müsste. Es scheint allerdings in dieser Konstellation oft noch härter für weitere weibliche Führungskräfte zu sein, besonders, wenn sie noch jünger sind, ihren Platz dort zu finden.

Die Politik hat dieser in den Medien breit und skandalös diskutierten, nicht mehr tolerierbaren Situation in den Chef-Etagen der Konzerne, vor 3 Jahren die Frauenquote für gut 100 definierte Konzerne entgegengesetzt. So richtig viel passiert ist seitdem nicht. Zumindest gefühlt und wenn man den regelmäßig bemühten Statistiken der Presse glauben schenken darf.
Aber was passiert denn eigentlich wirklich?
Sind wir Frauen einfach zu schwach? Zu stutenbissig? Zu wenig durchsetzungsstark? Zu emotional? Eben einfach nicht so qualifiziert wie unsere männlichen Kollegen? Alles Bullshit!

Meiner Meinung nach gilt es, ein Muster, eine über fast ein Jahrhundert gelernte Struktur im Kopf zu verändern. Und ebenso unsere Anpassungsfähigkeit an die Geschwindigkeit der Veränderungen, die um uns herum geschehen.
Damals war es einfach so, dass platt gesagt, Männer in der Firma gearbeitet haben und Frauen im Haushalt gearbeitet haben. Das System hat lange so funktioniert. Im Laufe der Jahrzehnte haben Rollenbilder sich immer mehr verändert, sodass heute auch Männer Elternzeit nehmen, Wäsche machen oder Kochen und Frauen ebenso einen Job haben, ihr eigenes Geld verdienen und den Rasen mähen. Oder aber auch glücklich mit der “alten” Rollenverteilung sind. Ich bleibe gerade mal bewusst bei einer recht oberflächlichen Darstellung, es geht mir in diesem Moment nur um den Wandel, der im echten Leben stattgefunden hat, zumindest in unseren Industrie-Nationen.
Trotz dieser enormen Veränderungen, ist ein großer Teil der Kommunikation, die uns täglich umgibt – Werbung, Produktdesign, Nachrichten – oft noch in den alten Bildern verhaftet: Die Ballons für die Baby-Party “It’s a boy” sind natürlich himmelblau, das “Ohne-Ziepen-Schampoo” für Kinder ist natürlich rosa mit Prinzessin und das Frauen-Sandwich ist mit Pute, das Männer-Sandwich mit Steak. Auch hier bewusst plakative Beispiele.

Meiner Meinung nach laufen in unseren Gesellschaften, in unserer Welt verschiedene Entwicklungsprozesse mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten ab.

  1. Wie wir Menschen tatsächlich agieren und gestalten
    ->In klassischen Strukturen (bewusst selbstgewählt) – Er ist Sparkassenleiter, Sie arbeitet im Schulsekretariat 3 Vormittage/Woche
    ->In um 180 Grad gedrehten Strukturen (ebenfalls bewusst gewählt) – Er ist Hausmann und kümmert sich um die Kinder, Sie ist Abteilungsleiterin in der Produkt-Entwicklung
    ->In den sogenannten “alternativen” Strukturen – Sie&Sie sind verheiratet, Sie hat 2 Kinder ausgetragen und Sie&Sie teilen sich alle Aufgaben und sind selbstständig und freiberuflich tätig
    ->In den “neuen” Lebenskonzepten – Er&Sie leben und arbeiten ortsunabhängig und planen vielleicht, Kinder die ersten Lebensjahre in Asien großzuziehen
    ->In Mischformen aus allem: Er, Mechatronik-Meister in Wohnung 1, Er&Sie Rentner-Ehepaar in Wohnung 2, Sie, Studentin digitales Marketing in Wohnung 3, Er&Er Lehrer und Controller in Wohnung 4, Er&Sie mit 3 Kindern in Wohnung 5 – und alle Zusammen in einem Generationenhaus
    Um nur ein paar Beispiele der heutigen Lebenskonzepte zu nennen. Unsere Freiheit, mehr Optionen zu haben als vor 100 Jahren, bringt gleichzeitig eine höhere Komplexität mit sich.
  2. Die Kommunikation der Medien, Marken und Hersteller, die uns umgibt
    Vor 100 Jahren haben Menschen in Hamburg beim Drogisten Budnikowsky Nivea Creme und Persil Waschmittel am Verkaufstresen gekauft oder vielleicht getauscht und die Tagesausgabe vom Hamburger Anzeiger gelesen, in der über den Nobelpreis für die Begründung der Quantenphysik an Max Planck berichtet wurde und Osram für seine sehr energiesparenden Glühbirnen wirbt.
    Vor 50 Jahren (1968) sind die Hamburger beim Spar oder Edeka durch lange Gänge mit einer Vielzahl von Markenprodukten gegangen, danach zum Drogisten, haben die Nachrichten im Hamburger Abendblatt, der Hamburger Morgenpost, im Radio gehört oder im Fernseher gesehen und sind dort auf die neueste Musik, besondere Angebote und Neuheiten der Markenartikler gestoßen. Neben der Werbung in der Zeitung für Persil, lief im Fernsehen der Werbespot für Ariel und den Weißen Riesen und in die Haushalte konnte man sich Kataloge von Neckermann oder Quelle bestellen und so einkaufen. Es sind auch die ersten Jahre, in denen laut BGB “…eine Frau berechtigt ist, erwerbstätig zu sein, soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist.” und ein eigenes Konto führen kann ohne die Erlaubnis des Ehemanns.
    Vor 20 Jahren (1998) ist der Hamburger mit dem Auto erst zum Aldi, dann zum Spar und zum dm gefahren. Neben allen Markenartikeln gibt es auf einmal günstigere Versionen mit schlichterem Design zu kaufen; die Eigenmarken der Händler haben flächendeckend Einzug in die Haushalte gehalten. Die Menschen informieren sich über Tageszeitungen, Zeitschriften, Radio, das Fernsehen und den Video-Text und über die wöchentlich im Briefkasten liegenden Prospekte der Supermärkte. Die Neuauflagen des Telefonbuchs sind wichtig und Telefonkarten wetteifern um das schönste Design, aber die Menschen beginnen sich an die neuen langen Nummern der ersten Handys zu gewöhnen. Die Kommunikation wird erstmalig ortsungebunden.
    Vor 10 Jahren (2008) haben Computer und Internet eine Durchdringung von gut 70% aller Haushalte in Deutschland erreicht. 75% aller Haushalte besitzen ein Auto, die Arbeitswege sind im Durchschnitt um die 20km und dauern knapp 30 Minuten und knapp 70% aller Frauen sind berufstätig. In den Supermärkten sind ähnlich viele Männer und Frauen zu finden, die Auswahl an Produkten bei Marke und Eigenmarke ist riesig geworden. Die Hamburger googlen am PC zu Hause, wenn sie etwas über ein Produkt wissen wollen und manchmal bestellen sie etwas bei Amazon.
    Vor 5 Jahren (2013) bestellen die Hamburger einen Teil ihrer Einkäufe online, die sie entweder im Prospekt zu Hause gesehen haben, in der Fernseh- oder Radiowerbung, in Zeitschriften oder ca. 40% von ihnen über ihr smartphone. Eigenmarken Produkte sind teilweise kaum noch von Markenartikeln zu unterscheiden und das Einkaufsverhalten der Menschen wird immer stärker geprägt von Produkt-Bewertungen anderer. Der Konsum von Informationen wird aktiver durch die große Auswahl an Medien und die mittlerweile 25 Mio. Facebook Nutzer in Deutschland.
    Heute sind 75% aller Frauen erwerbstätig, ca. 70% aller Menschen besitzen ein Smartphone und 91% der Menschen in Deutschland nutzen das Internet. Nicht nur die Hamburger kaufen durchschnittlich bei 7 verschiedenen Einkaufsstätten ein (ohne ecommerce), schauen einen Mix aus Netflix, Fernsehen und You-Tube Videos, hören Podcasts und Musik über spotify und im Auto Radio. Posten ihr Essen auf Instagram und gucken, wenn neue Arbeitskollegen ins Team kommen, erstmal bei Xing und Facebook, wer er oder sie ist. Das eigene Auto, DriveNow, der Zug, die SBahn oder der nette Fahrer von myTaxi bringt uns zum Bahnhof oder Flughafen und über Google Maps prüfen wir, wo wir parken können, wann die Bahn kommt, wo das nächste freie Fahrzeug steht und ob der Fahrer auch den kürzesten Weg nimmt. Und die Medien schreiben über Fachkräftemangel und die Digitalisierung, von der keiner so richtig zu wissen scheint, was das eigentlich genau heißt.
    Unterm Strich wird es immer schwieriger für Marken, Hersteller und auch die Redakteure der verschiedenen Medien, ihre Zielgruppen zu erreichen. Viele Themen sind so vielschichtig geworden, dass es fast unmöglich ist, den einen Weg der Ansprache zu finden. Übergreifende Themen, die die breite Masse erreichen, so wie die Fußball-WM, werden immer weniger. Da wir Menschen pro Tag nur eine begrenzte Anzahl an Entscheidungen treffen können, machen wir es uns manchmal einfach. Dann ist das “Ohne-Ziepen Shampoo” eben rosa mit einer Prinzessin drauf – der oder die Produktmanager wussten halt auch nicht, ob die gender-neutrale grüne Variante mit Superhelden-Fischen beim alleinerziehenden Papa im dm ankommt, oder ob die Mama, die den Wocheneinkauf im Rewe mit ihren beiden Töchtern erledigt, das Produkt in Grün überhaupt wahrnimmt oder der Algorithmus von Amazon und Google genug positive Bewertungen dazu finden wird, weil Kinder genau das Shampoo wieder haben wollen.

3. Unsere eigenen Gedanken und unsere eigenen Muster im Kopf
Dinge und Zusammenhänge, die wir wiederholt sehen, hören und selber denken oder aussprechen, bleiben uns im Gedächtnis und wir verinnerlichen sie. Das ist keine neue Erkenntnis. Und das jeder Mensch eine bestimmte eigene Grenze der Aufnahmefähigkeit hat, wissen wir auch. Ich vermute, zweiteres haben wir alle in den vergangenen 5 Jahren öfter erlebt als in den 5 Jahren davor. Das hat nichts mit steigendem Alter zu tun, sondern eher an der höheren Anzahl an Informationen, die es täglich zu verarbeiten gibt im Vergleich zu vor 10 Jahren.

Ein simples Beispiel: vor 10 Jahren stehe ich vor dem Milch-Regal im Supermarkt und habe die Wahl zwischen H-Milch 3% oder 1,5% Fett oder frischer Milch und je nach Supermarkt zwischen 2 und 4 verschiedenen Anbietern. Ich muss 3 Entscheidungen treffen zu Themen, die ich verstehe und schon kenne: 1. H-Milch oder frische Milch, 2. Fettreduziert oder nicht, 3. Welche Marke.

Heute stehe ich vor dem Milch-Regal und habe neben den genannten Optionen noch die Auswahl zwischen Soja-Milch, Mandel-Milch, Reis-Milch, Lupinen-Milch, Bio-zertifiziert oder organic oder demeter, hergestellt regional, in der EU oder fair trade. Ich muss zwischen 4 und 6 Entscheidungen treffen um den Kauf für 1 Paket Milch zu tätigen. Zudem stelle ich mir vielleicht noch die Fragen: was sind eigentlich Lupinen? Was ist denn ethisch vertretbar? Ist Soja noch nachhaltig? Und was ist eigentlich wirklich gesund? Welche Zertifizierung steht für was und wie weit geht die Aussage “regional”?
Unser Hirn macht es sich bei zu viel Information-Overload manchmal einfach leicht und wir entscheiden uns für etwas, das wir kennen, das wir verstehen. Bei der Milch kann das schlicht und ergreifend der Preis sein, bei dem wir ein gutes Gefühl haben oder das Produkt, was unsere Eltern oder Freunde gekauft haben. Oder wir nehmen gezielt ein Produkt, weil die Entscheidung schon vor dem Betreten des Supermarktes gefallen ist; somit entziehen wir uns dem Entscheidungsprozess vor dem Milchregal.

Dieses System funktioniert nicht nur bei Kaufentscheidungen. Wir treffen Tausende Entscheidungen jeden Tag, teilweise unterbewusst, teilweise bewusst. Dazu gehören auch Entscheidungen, wie wir etwas oder jemanden finden oder wie wir etwas bewerten, in welche Schublade wir etwas oder jemanden stecken.
Je schneller und häufiger wir mit neuen Informationen und Situationen konfrontiert sind, bei denen uns ein schnelles Verarbeiten und Einordnen schwer fällt, desto öfter greift unser Hirn unterbewusst auf bestehende Schubladen zurück und prüft “nur noch”, welchem bekannten Thema die Information am ähnlichsten ist um sie hier einzusortieren. Wir überspringen dann den langsameren Prozess der Komplett-Verarbeitung, bei dem eine neue Schublade entstehen könnte und tun uns letztendlich schwerer damit, unsere Sichtweisen zu ergänzen oder zu überdenken.

Die drei genannten Entwicklungsprozesse (menschliches Handeln, mediale Kommunikation und unsere Gedankenmuster) sind meiner Meinung nach stark miteinander verknüpft und laufen grundsätzlich in verschiedenen Geschwindigkeiten ab, sowie zusätzlich für jeden Menschen individuell mit unterschiedlicher Geschwindigkeit innerhalb jedes Bereichs.
Je mehr Komponenten jeder der drei Stränge hat, desto mehr unterschiedliche Geschwindigkeiten existieren innerhalb jedes Bereichs und desto mehr Konfliktpotenzial besteht.

Ein Beispiel: Wir nehmen wieder den Supermarkt. In einer Kleinstadt. Ein Mann steht mit dem Wochenprospekt suchend vor den Aktionsangeboten und vergleicht immer wieder den Prospekt mit den Preisschildern der Angebote vor ihm. Eine Frau kommt schnellen Schrittes zu den Angeboten, ihr Handy in der Hand und sendet eine Sprachnachricht nach der nächsten; sie fotografiert 6 Angebotsartikel, schickt diese auch weiter und endet in ihrer letzten Sprachnachricht mit “Alles klar, dann steht der Essensplan für die Woche und die Weihnachtsgeschenke sind komplett geplant – bis gleich”. Über den Lautsprecher im Supermarkt ertönt folgende Werbung, die ein Mitarbeiter durchsagt: “Finden Sie in Korb 1-3 die Angebote von Montag bis Mittwoch, in Korb 4-6 die Angebote von Donnerstag bis Samstag und shoppen sie 24/7 in unseren Onlineshop einen Großteil des Sortimentes, den Sie gerne auch per Click&Collect in einer unserer Filialen abholen können. Vor Ort zahlen Sie bitte bar, online auf Rechnung.”

Die Situation ist jetzt so:
-> als ob der Mann mit 50kmh den Supermarkt betritt, der mit 70kmh unterwegs ist und über die Frau mit 100kmh unterwegs ist, denkt “Was für eine arrogante Person”, da er gar nicht so schnell erfassen kann, was sie macht und den Supermarkt frustriert verlässt ohne etwas zu kaufen mit dem Gedanken “Hier arbeitet ja keiner mehr vernünftig”.
-> als ob die Frau mit 100kmh den 70kmh schnellen Supermarkt betritt, den 50kmh schnellen Mann gar nicht wahrnimmt und mit 200kmh denkt “Onlineshop, gute Idee, aber nur auf Rechnung, wie unpraktisch. Alles klar, dann mach ich das beim Wettbewerb, da habe ich mehr Optionen”
-> als ob der 70kmh schnelle Supermarkt (Betreiber) hofft, mit den Angeboten an jedem Wochentag, online und kombiniert, genug Menschen in der Kleinstadt bei ihm kaufen zu lassen in der richtigen Geschwindigkeit, damit er abends mit 130kmh zu seiner Familie kommt und mit 40kmh zu denken: “Wer ist eigentlich mein durchschnittlicher Kunde?”.

Die vielen kleinen und großen Situationen, die wir so oder so ähnlich jeden Tag durchlaufen, machen unser Leben komplex. Und anstrengend, wenn wir nicht ausreichend Regenerationspausen haben.

Was hat unsere komplexe Gesellschaft jetzt eigentlich mit gläsernen Decken und der Frauenquote zu tun?
Nun, meiner Meinung nach ist es in unserer Arbeitswelt heute einfach so, dass Frauen mit 150kmh dort aufschlagen, wo auch Männer mit 150kmh tätig sind. Beide Seiten sind aber oft aufgrund der hohen Schlagzahl an neuen Informationen und geforderten Entscheidungen, nicht in der Lage mit ihrem Hirn neue Schubladen zu kreieren. Somit kramt unser Unterbewusstsein den einfachen Weg, das lange (gesellschaftlich) Gelernte hervor und Männer neigen dazu, Frauen gar nicht auf Augenhöhe wahrzunehmen oder als relevant in Betracht zu ziehen (sie waren ja jahrzehntelang nicht Teil der Arbeitswelt und wenn, dann in unterstützenden Funktionen), sowie Frauen dazu neigen, sich selber kleiner, stiller zu machen, doch dem Kollegen den Vortritt zu lassen und zu hinterfragen, ob sie das wirklich so sagen oder machen können (sie haben ja jahrzehntelang gesehen, wie Männer die Entscheidungen getroffen haben und wie Männer als erfolgreich und als Vorbilder gefeiert wurden).

Die eigentliche Herausforderung in den Gesellschaften unserer Industrie-Nationen ist es, genügend Ausgleich und Ruhephasen für die Menschen zu schaffen, damit sie Informationen bewusster verarbeiten und filtern können. Nach und nach können so neue Schubladen in den Köpfen entstehen, die neue Gedanken- und Handlungsmuster zulassen.
Wir können dann offener wahrnehmen, was um uns herum passiert und wie viel Mehrwert wir erzielen können, wenn wir nicht 50% der Gesellschaft gedanklich ausschließen – das gilt für beide Seiten.

Für diesen Prozess hilft eine Frauenquote herzlich wenig meiner Ansicht nach. Diese füttert hauptsächlich die Medien, die mit der Diskussion um die selbige die Abdeckung einer möglichst großen Zielgruppe wittern (Frauen und Männer, die erwerbstätig sind plus junge Menschen kurz vor dem Berufseintritt; das dürften grob zwischen 45-50 Millionen Menschen in Deutschland sein). Wissend um die komplexen Geschwindigkeitsdilemmata ist das Vorgehen absolut nachvollziehbar für mich. Und die Politik kann nachweisen, dass sie etwas umgesetzt hat und wieder an anderen Themen im Hintergrund arbeiten.

Vielleicht zahlt die Diskussion aber letztendlich darauf ein, dass unsere Synapsen im Gehirn nach und nach die Verbindungen finden zwischen Fachkräftemangel, Work-Life-Balance, Frauenquote, gläsernen Decken und der Innovationskraft unserer Gesellschaft.

Was bedeutet diese Erkenntnis denn nun im “wirklichen” Leben?
“Gläserne Decken? Sei 100% natürlich DU und Dein Licht leuchtet Dir den Weg.”

Für mich bedeutet es für die Arbeitswelt für Frauen und Männer:

  • Bewusst in Situationen/Meetings/Kundentermine zu gehen und die Aufmerksamkeit 100% dort haben
  • Es gibt fast immer mehrere Wege um ans Ziel zu kommen – vertraue dir selber und lass die Resultate für dich sprechen – deine Art etwas zu tun, macht dich einzigartig
  • Offen sein für die Reaktionen anderer und anderen Menschen Raum geben, bei dir anzukommen
  • Bei dir selber zu bleiben, auch wenn dir andere Meinungen entgegengebracht werden und diese Meinungen anhören
  • Gute Ergebnisse und Erfolge aussprechen und mit anderen teilen
  • Das gilt auch für die Erfolge anderer – nimm sie mit, da wo es geht
  • Schwächen zeigen – niemand ist perfekt – und daraus lernen
  • Zwischendurch Innehalten und wahrnehmen, was wirklich passiert

Puh, langer Beitrag 🙂 Toll, dass du dran geblieben bist. Und vielleicht hast du auch etwas mitgenommen.

Schreib mir gerne deine Gedanken zum Thema als Kommentar.

Deine Judith (JJ)