6 Monate Selbstständigkeit – wie mein Businessaufbau mich zu mir selbst führt

Flashback: es ist der 27. Februar 2018, ein Dienstag. Ich mache abends das vorletzte Kreuz durch den Tag auf dem selbstgemalten Kalender an unserer Tür zur Küche im Wohnzimmer. Seit Anfang Januar habe ich jeden Abend einen Tag durchgestrichen, die Tage runtergezählt und es kaum glauben können. Ich habe wirklich meinen guten und sicheren Büro-Job als Senior Key Account Manager gekündigt und heute war mein vorletzter Tag. Heute war meine offizielle Verabschiedung vom deutschen Team. Mein Chef hat eine so tolle Präsentation mit einer ins Herz gehenden Rede vorgetragen, unser Standortleiter und der internationale Geschäftsleiter, der extra ins Büro gekommen ist, haben unfassbar wertschätzende Worte für mich gefunden und alle Kollegen haben die große A4 Karte bis auf den letzten Millimeter mit wunderbaren Abschiedsworten gefüllt. Die schönsten Abschiedsgeschenke, die ich mir vorstellen konnte. Und dennoch wusste ich, dass die Entscheidung zu gehen um etwas eigenes aufzubauen die einzig richtige war. Die Zeit war gekommen, ich hatte eine Idee im Kopf und einen Business Plan in Excel. Die ersten zwei März Wochen haben Daniel und ich Urlaub gemacht. Um einen klaren cut zu haben zwischen den beiden Welten für mich und um gemeinsam zu realisieren, was gerade beginnt. Und um Kiten zu lernen 🙂 Dann bin ich gestartet. Mit Vollgas.

Heute, am 14. Oktober 2018 bin ich 6 Monate selbstständig.

Während ich gerade versuche, zu sortieren, eine Struktur zu finden, wird mir wieder bewusst, wie viele Dinge ich erreicht und gemacht habe in diesen 6 Monaten. Und gleichzeitig, wie viel es noch zu tun gibt und wie viel Grandioses noch passieren wird. Über die letzten 6 Monate habe ich gefühlte 1.000 Veranstaltungen in der Region und in Deutschland besucht, an unzähligen Zoom Calls und Telefonaten teilgenommen. MeetUps der StartUp Szene, Austausch mit Designern, Schneidern und Herstellern aus dem Mode-Bereich, Stoff&Mode-Messen, Stammtische, lokale Business Netzwerke, internationale Frauennetzwerke, Coachings und Seminare. Ich wollte lernen. Lernen wie die Mode Branche funktioniert, welche Angebote es im StartUp Bereich in Düsseldorf gibt, wie andere StartUps mit bestimmten Themen umgegangen sind, wo ich die richtigen Ansprechpartner für bestimmte Fragestellungen finden kann, wie ich ein Textil-Produkt auf den Markt bringe, wie ich Speakerin werde, wo es andere erfolgreiche Frauen gibt und wie diese dorthin gekommen sind. Und – wie ich selber funktioniere, wer ich wirklich bin. Zu allen Themen habe ich Antworten gefunden. Im Besonderen aber dazu, wie ich die Person werden kann, die es benötigt, damit ich mein Unternehmen erfolgreich wachsen lassen kann um später anderen Menschen darin einen Platz geben zu können um ebenfalls zu wachsen. Was meine große Vision und meine Lebensaufgabe ist und wie ich diese umsetzen kann.   Das wusste ich am 27. Februar noch nicht. Und mein damaliges Ich wusste auch noch nicht, durch was für eine Transformation ich gehen würde in den kommenden Monaten. Ich hatte nur meine super klare Vision zu den Business Blusen und die ebenfalls klare Vision in 2-3 Jahren Speakerin zu sein, basierend auf meiner Ausbildung zur energetischen Geistheilerin, die zu dem Zeitpunkt erst zu ca.70% geschafft war. Allen Dinge, die ich umgesetzt habe, habe ich mich mit einer guten Mischung aus Struktur, Naivität und positiver Einstellung genähert. Mit dieser Vorgehensweise bin ich grundsätzlich gut gefahren. Bin ich mal auf die Nase gefallen? Ja. Haben immer alle Dinge beim ersten Versuch funktioniert? Nein. Keine Überraschung. Zum Beispiel als mein erster Antrag auf Gründungszuschuss abgelehnt wurde – habe ich eine neue Argumentation gefunden um Revision gegen den ersten Bescheid einzulegen – und es hat funktioniert. Oder als ich dachte, mein altes Handy schafft es noch bis Ende des Jahres – und es dann fast komplett zusammengebrochen ist im Juli und ich schnell Ersatz beschaffen musste. Oder als ich aus Eile eine 3-stellige Rechnung bezahlt habe, die sich als Fake herausstellte und das Geld nicht wiederzubekommen war. Oder als ich dachte, yes, du hast alle alten Themen aus deiner Vergangenheit abgearbeitet und rumms standen wieder ein paar vor mir. Und das ist auch gut so. Das Leben folgt einem Rhythmus; und der geht geht mal hoch und mal runter. Wichtig ist, zu erkennen, was die Runter-Phasen uns lehren möchten und wie wir uns selber wieder in die Hoch-Phasen bringen können. Glücklicherweise kann ich sagen, dass ich die richtigen Runter-Tage im letzten halben Jahr an meinen Fingern abzählen kann. Aber jedes der oben genannten Dinge, die nicht funktioniert haben, hatte eine Botschaft für mich: Ablehnung Gründungszuschuss: sei aufmerksamer und präsenter im Gespräch mit deinem Gegenüber – ich hätte eher realisieren können, welcher Argumentationsstrang bei meinem Ansprechpartner der richtige ist, hätte ich besser zugehört Handy: es war schon Wochen vor dem Handy-Exodus abzusehen, dass der Dezember nicht mehr erreicht wird; ich habe mir selber den Invest in ein neues Gerät nicht zugestanden. Obwohl das Handy einen Hauptteil meines Arbeitsequipments ausmacht. Fake-Rechnung: Lehrgeld – in den Wochen als das passierte, habe ich mir zu viele Dinge auf einmal in die Tage gelegt und hatte nicht mehr genug Fokus auf jedes einzelne Thema, daher ist diese Rechnung so “durchgerutscht” Vergangenheits-Themen: zu akzeptieren, dass ich nie auslerne und nicht “fertig” bin – in jedem von uns ist so viel verankert und ich lerne über das kontinuierliche Arbeiten an meiner Persönlichkeit, mehr und mehr dieses Wissens zu erreichen und zu nutzen.  

Was genau hat sich für mich am meisten geändert?

2 Dinge im Besonderen sind es. Ich habe gelernt, meine eigene Arbeitsweise und meine eigenen Prozesse für mich zu finden. Begonnen habe ich auf die Art und Weise, die ich seit 10 Jahren aus der Konzernwelt kannte und beherrschte: Plan und Ziele aufstellen, strukturiert und analytisch der Reihe nach die Dinge umsetzen. Das ist nicht schlecht. Und einen Plan und Ziele habe ich immer noch. Allerdings habe ich auf dem Weg gelernt, mir mehr Zeit für bestimmte Dinge einzuplanen – z.B. für alle Kreativ-Arbeit wie diesen Blog-Beitrag zu schreiben oder Konzepte zu erarbeiten. Oder mir aktiv regelmäßig Zeit für mich einzuplanen über Sport oder Meditation – dann fließt meine Kreativität deutlich besser und ich habe immer genug Energie. Zum Anderen habe ich gelernt, mich in den Mittelpunkt meines Lebens zu stellen und alle Dinge, die es zu tun gibt und die ich erreichen will darum herum zu bauen. Das ist kein Akt des Egoismus, sondern der Selbstliebe. Wenn ich gut für mich selber sorge und mich selber schätze, bin ich die Person, die ich sein muss und möchte um meine Ziele zu erreichen. Die wiederum dazu führen, dass ich das Leben führen kann, dass ich führen möchte. Mit genug Zeit für mich und für die lieben Menschen in meiner Nähe. In Freiheit. Das bedeutet auch, einige Dinge nicht mehr zu tun, die ich früher gemacht habe. Ich gehe z.B. mittlerweile recht rigoros mit Verabredungen oder Vereinbarungen mit anderen um – ich sage nur zu etwas zu oder gehe auf die Party, die Veranstaltung, wenn ich wirklich möchte und mir die Zeit dafür einplanen möchte und kann. Das hat nichts mit der anderen Person zu tun, ich mag die Menschen, die ich kenne und die meisten, die ich auf Veranstaltungen neu kennenlerne. Aber in dem Moment der Frage “Sollen wir nicht mal zusammen…? Lass uns doch morgen mal telefonieren….? Heute Abend Altstadt…?” kann es sein, dass ich für mich eine andere Priorität gesetzt habe für morgen, den Abend oder um welchen Zeitpunkt es auch geht. Damit ich für mich im Gleichgewicht und bei mir bleibe. Ein anderes Beispiel sind meine Sport-Tage. Montag, Mittwoch und Freitag Morgen mache ich Sport. Diese Zeiten sind für mich heilig, dorthin lege ich keine Termine. Oder mein Start in den Tag: die ersten 45 Min jeden Tag bleibt das Handy im Flugmodus und ich beginne für mich den Tag, ordne mich. Warum ist dies der wichtigste Punkt für mich? In der Vergangenheit waren es immer die Dinge, die für mich waren, die ich als erstes gecancelt habe, wenn der workload stieg – z.B. extra Themen im Büro = Adé Sport oder Party Abend, weil ich ja eingeladen wurde = Ciao dringend benötigter Schlaf. Ich habe in den letzten Monaten verstanden, dass ich selber am Entscheidungshebel für mein Leben sitze. Und wenn ich etwas anderes erreichen möchte, als ich bisher erreicht habe, muss ich auch andere Dinge tun und lernen als bisher.

Jetzt mal Butter bei die Fische – was habe ich denn nun geschafft oder erreicht?

Die Frage habe ich mir letzte Woche auch gestellt und mir die Themen in vier Quadranten geteilt: Business/Finanzen, Mich/meine Persönlichkeit, Gesundheit/Fitness und Beziehungen zu anderen Menschen. Mit dieser Übung habe ich mir bewusst Zeit genommen, einmal Inne zu halten. Denn es sind so viele Dinge in einer unglaublichen Geschwindigkeit passiert in diesen 6 Monaten, dass ich es selber kaum realisiere. Ich teile ein paar Auszüge, ein paar Highlights mit euch:

  • ich bin offizielle Geschäftsführerin einer GmbH
  • meine Lebensaufgabe und Vision sind mir klar geworden
  • website, Facebook Seite u Gruppe, Instagram und Newsletter selber erstellt und gestartet
  • Teil des Projektes “Female Business Heroes”
  • das erste Mal in einem Podcast interviewt worden
  • in Teams bei Seminaren bekannter Speaker mitarbeiten und lernen dürfen
  • Ausbildung energetische Geistheilerin abgeschlossen
  • Fitting Event im Rahmen der Blusen Entwicklung veranstaltet
  • einen tollen Schnittmacher für meine Blusen gefunden und unendlich viel über Textilwirtschaft gelernt
  • entdeckt, dass ich bei leiser Piano-Musik am konzentriertesten Arbeiten kann
  • mehr Nähe zu meinem Vater geschaffen
  • Sport in mein Leben integriert ohne zu denken “ich muss Sport machen”
  • alte Glaubenssätze aufgelöst
  • neue Netzwerke in den Bereichen Mode, Coaching/Speaking und StartUp Szene für mich aufgebaut
  • eine Seelenmentorin gefunden
  • regelmäßig und mehr Zeit mit Daniel (z.B. 1 Mal jede Woche Love-Lunch)
  • das erste Mal vor 70 Leuten für 3 Minuten auf der Bühne gesprochen
  • innere Ruhe und viel Energie für mich gefunden
  • ein 1:1 Life Coaching Konzept erstellt, auf website eingebunden und erste zahlenden Klienten

Keinen dieser Tage seit März diesen Jahres möchte ich missen, denn ich kann sehen, wie weit ich schon gekommen bin und das ist für mich wunderschön. Und nun beginnt alles eigentlich erst richtig – 2018 ist das Jahr des Aufbaus, die Grundsteine sind fast fertig gelegt. Bei den Blusen geht es langsam in die heiße Phase: der Online Shop muss konzipiert und designt werden, ein Produktionspartner will festgelegt werden und die Schnittentwicklung abgeschlossen werden. Und das Marketing will gestartet werden. Erste Produkte unter der Marke YOU&JJ stehen in den Startlöchern, das Branding und CI wird nach und nach etwas angepasst werden, es wird mehr content auf den Social Media Kanälen geben und die ersten Konzept-Ideen zu meinen eigenen Seminaren sind zu Papier gebracht. Und ich habe auf einem Zettel schon verschiedene Notizen zu Seminaren und Coachings gemacht, die ich im kommenden Jahr besuchen möchte. Für mich – denn es gibt noch so viel zu lernen über mich, uns Menschen und über alles, was schon in uns ist. Ich fühle mich genau richtig, ich liebe es, alles so entscheiden zu können, wie ich es möchte und ich vertraue darauf, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Bisher hat dieses Vertrauen mir immer zur rechten Zeit, die richtigen Menschen in mein Leben gebracht. Dafür bin ich sehr dankbar.   Nachricht an mein Ich vom 27. Februar: Genieß den Tag in vollen Zügen und freu dich auf alles, was noch kommt. Es wird fantastisch.